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Nach elf Folgen unterhaltsamer und erkenntnisreicher Podcast-Unterhaltung wirft Moderator Felix das Handtuch – und überlässt seinen unbändigen Kollegen Sven und Joonas das Feld. Zu dritt führen die PixelBruncher ihre vorerst letzte gemeinsame Diskussion über das ungenutzte Potenzial von Videospielen und ergründen, warum sich Spieler nach Emotion und Tiefgang sehnen dürfen. Wie so oft bleibt dabei auch der ein oder andere Filmvergleich nicht aus. Kommentare zu dieser hochspannenden Unterhaltung sind wie immer willkommen – und damit viel Spaß beim Hören!
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Featuring: Austin Wintory mit Gratitude aus dem Soundtrack zu flOw
Ein Spiel ist ein Spiel ist ein Spiel.
Das zu Beginn.
Dein Problem, Felix, ist meiner Meinung nach, dass du dich während des Spielens unterfordert siehst. Du rekapitulierst beim Spielen über das Spielen und entziehst dich damit der Immersion. Postuliere ich einfach mal so, weil ich ähnlich fühle.
Dann nimmst du deine Unzufriedenheit, vergleichst deinen “Unterhaltungs-Level” mit anderen Formen der Freizeitbeschäftigung, und vermisst dann jene Stärken dieser Unterhaltungsform in Spielen. Natürlich kann ein Spiel emotional nicht in dem Maße (d.h. mit den Mitteln) berühren wie ein Film, selbst wen es wollte. Denn die Darstellungsqualität für menschliche Emotionen ist halt einfach beschissen. Und natürlich wollen Publisher das auch nicht, weil Animation mit das Teuerste im Spiel ist, und “emotionale Nischenthemen” damit eines Produktionsbudgets entsprächen, welches keine Rentabilität mehr erwarten ließe. Aber genau so, wie ich Filmen nicht vorwerfe, nach dem Konsum nicht körperlich erschöpft zu sein (wie das etwa beim Sport zu erwarten wäre), darf ich meine fehlgestellte Erwartungshaltung auch nicht auf Spiele projizieren.
Mit der Cineatisierung hat sich die Gaming-Branche einen Bärendienst erwiesen. Zwar hat man, durch Anlehnung an eine bekannte Kunstform, vielen Menschen die Scheu vor dem Spiel genommen, jetzt laboriert man aber an den Folgen der Unzulänglichkeit der Darstellung des zu Kopierenden.
Ein Spiel sollte meiner Meinung nach aus sich heraus erzählen. Wenn ich mit Lego spiele, steht ja auch keine Geschichte auf der Verpackung, die nach soundsovielen Schritten im Aufbauanleitungsheftchen immer wieder weitergesponnen wird, und den Bauprozess so zur “Geschichtsstreckung” degradiert. Nein, das beschäftigen, auftürmen, rekombinieren der Klötze IST das Spiel, und die Geschichte entsteht aus den Dingen die ich erschaffe; Wird Ausdruck meines Schaffensdranges. Bei heutigen Spielen haben wir ganz oft eine Beschäftigungskomponente (das Gameplay), und eine rahmenschaffende Geschichte. Nur haben die rein gar nichts miteinander gemein, weil sie nicht verknüpft werden (Was ich tue hat keinen Einfluss auf die narrativen Elemente. Die narrativ erfolgte Figurenentwicklung, hat aber auch keinen Einfluss auf den spielmechanischen Kern). Will ich als Gamedesigner aus diesem Käfig ausbrechen, investiere ich Unmengen an Geld und Zeit, um einige wenige Weichen anzubauen (ein jeweiliges Entweder Oder, der toten Content zurücklässt), die mein Spielen in abstrakte Zahlenmengen kummulieren, mit deren Wertigkeiten scheinbar wahllose Entscheidungen von statten gehen, die zur Folge haben, dass sie mir die Individualität meines Handelns vorgaukeln sollen.
Das kann nicht die Lösung sein. Ich denke man wird dem Begriff “Spiel” gerechter, wenn man sie vom erzählerischen wegzieht und wieder auf ihre Mechanik reduziert. Ähnlich wie beim Brettspiel, dessen Narration nur durch ein Thema vorgegeben wird, dessen Herz aber durch “Interaktion in seinem Regelwerk” erblüht, und wo Geschichten in Folge der Interaktion der Mitspieler untereinander geschrieben wird.
Mit dem großen Vorteil, dass sich Computerspiele nicht so beschränken müssen, und vor allem das Element “Entdeckungs- und Forschungsdrang” mit einbinden können.
Dazu bedarf es insgesamt vieler Innovationen, vor allem den Umgang mit dem Verlieren (das Ausklammern heutiger Spiele ist keine Option),der Chancengleichheit, auch dem Computer gegenüber, der Dosierung einer zeitkritischen Komponente usw., aber im Kern bieten bereits viele Spiele diesen Grundtypus.
Wisims, Aufbau-Simulationen, Hexfeld- oder Rundenstrategie, Knobelspiele, Survivalgames, Plattformer oder eben viele, viele Indie-Games. Man muss sich nur aus dieser Umklammerung lösen, in die man sich Jahr für Jahr, Stück für Stück, Blockbuster für Blockbuster, begeben hat.
(Da bin ich auch noch bei… eher erfolglos
)
Wenn man dann, nach Sichtung der Spiele für sich zum Schluss kommt, dass ein Spiel um des Spieles willen für einen nicht ausreicht, und man Spiele nur FÜR ihre narrative Komponente spielt, gut, dann wird man wohl nicht mehr glücklich mit dieser Form der Freizeitbeschäftigung.
So, und nachdem jetzt alle Unklarheiten beseitigt sind, erwarte ich dich nächste Woche wieder im Podcast
P.S: Dass das Schauen eines Filmes immer die “befriedigendere” Form der Unterhaltung sein wird, liegt in ihrer passiven Natur. Bei einem eher schlechten Film kannst du in Gedanken locker wo anders sein, und trotzdem noch mitbekommen worum es geht (mit dem Hinterdanken dass er zeitlich sowieso beschränkt ist), bei einem Actionspiel stirbst du hingegen sofort. Wenn dir ein Spiel aber diese mechanische Beschäftigung abverlangt, du dich dabei aber kognitiv nicht unterhalten fühlst, dann entsteht schnell Wut auf das Spiel (zumal, wenn einem auch noch das Scheitern in Form des Sterbens vor Augen geführt wird).
Hallo epospecht,
vielen Dank für deinen langen und ausführlichen Kommentar zu unserem Podcast. Auch wenn sich dein Text eher auf den Felix bezieht, möchte ich trotzdem einige Worte dazu verlieren. Zunächst einmal finde ich, dass du einige sehr interessante Punkte aufgreifst. Ich habe ja im Podcast auch versucht deutlich zu machen, dass man Videospiele und Filme nicht unbedingt miteinander vergleichen sollte. Wenn ich menschliche Emotionen sehen möchte, dann sehe ich mir einen Film an, wenn ich eine spielerische Herausforderung möchte, dann spiele ich ein Videospiel.
Besonders deutlich wird dieser Aspekt bei deinem tollen Lego Vergleich. Genau so sollte es nämlich sein, ich spiele ein Spiel gerne, weil es eine gute Spielmechanik hat, die mir beim Spielen Spaß bringt. Das narrative Element sollte hierbei nicht entscheidend sein und ich bin auch der Meinung, dass dies besonders bei älteren Spielen sehr deutlich wird. Früher, sagen wir einfach mal beispielhalber zu SNES Zeiten, hatten die meisten Spiele ein kurzes Intro, das dir die grobe Story kurz und knapp erzählt und du dann das Spiel, häufig ohne weitere erzählerische Elemente, von Anfang bis Ende durchspielst. Diese Spiele sind damals wie heute, auch ohne dieses Element, tolle Spiele.
Und genau das ist doch das Kernproblem, ein bei einem Videospiel möchte ich, dass es die Bezeichnung “Spiel” auch verdient. Vielleicht sollte man einfach mal zurückschauen und sich ansehen, was das Medium Videospiel früher mal ausgezeichnet hat. Leider wird es wohl ziemlich schwer werden, von dieser “Cineatisierung” wieder Abstand zu nehmen.
—–”Wenn man dann, nach Sichtung der Spiele für sich zum Schluss kommt, dass ein Spiel um des Spieles willen für einen nicht ausreicht, und man Spiele nur FÜR ihre narrative Komponente spielt, gut, dann wird man wohl nicht mehr glücklich mit dieser Form der Freizeitbeschäftigung.”—–
Genau mit diesem Satz bringst du es wahrscheinlich genau auf den Punkt! Wenn ich ein Spiel nicht um des Spielens willen spiele, dann hat man sich vermutlich das falsche Unterhaltungsmedium ausgewählt. Und genau aus diesem Grund sind die meisten Spiele meiner Meinung nach im Moment nicht sonderlich interessant. Es ist nicht das Problem, dass ich nicht genügend emotional davon berührt werde, sondern weil das “Spielen” vieler heutigen Spiele in den Hintergrund rückt. Genau dieses “Spielen” sollte es aber doch sein, das uns Spaß bringt.
Natürlich ist es keine Lösung wieder Spiele zu machen wie vor 20 Jahren, aber ich bin der Meinung, dass man sich viel davon abschauen kann, was man dann sinnvoll auf die heutige Spielegeneration anwenden könnte und das einen neuen Spielansatz in seiner Idee unterstützen könnte.
Dass sich der Felix aber von deinem schönen Kommentar umstimmen lässt, würde ich leider eher bezweifeln, einen Versuch war es aber wert
Gruß
Fux
Liebe pixelbruncher,
zunächst einmal vielen Dank für den gelungenen Podcast. Eure offene, ehrliche und zum Teil auch unangepaßte Art zu casten ist jedes Mal wieder eine erfrischende Alternative zu den üblichen Game-Websites, Magazinen etc.
Umso mehr ist es eine Enttäuschung, dass Felix von nun an nicht mehr dabei sein wird. Meiner Meinung nach war Felix bisher die kommunikativ treibene Kraft bei den pixelbrunch-Casts bzw. früher bei den Wunderlampe / Konsolerie-Casts. Euch, Sven und Joonas, wünsche ich einen guten Start und viel Glück und Erfolg für die Zeit nach Felix.
Zum Thema: Felix, Deine Argumentation bzw. Berechnung zum Spielspass pro Stunde Videospiel oder Unterhaltungswert pro Filmstunde kann ich nur schwer nachvollziehen. Meiner Meinung nach kann man Unterhaltungsmedien so nicht vergleichen.
Kurz ein paar Worte zu mir bzw. meinem (Gaming-)Hintergrund: 34 Jahre, Gamer seit NES-Zeiten, im Vollzeitjob angekommen, kaum noch Zeit zum Spielen, Games-Liebhaber mit einem Schrank voller Spiele – die zum Teil noch nicht den Weg in die Konsole gefunden haben.
Ich kann im Kern nicht greifen, worin Felix´ Kritik eigentlich begründet ist: Ok, Ihr schießt (mal wieder) gegen die Einfallslosigkeit der AAA-Titel. Zurecht. Gleichzeitig sagt Felix selbst, wie gut ihm zuletzt Dead Space, Uncharted, Halo oder RE4 gefallen haben – alles Triple-A-Titel mit einer riesigen Marketing-Maschinerie, Millionen-Verkäufen und großen Fan-Lagern… Diese Titel und deren Nachfolger habe auch ich (bis auf RE5) gern gespielt. Jetzt freue ich mich auf DS3, Halo 4 und RE6! Ich erwarte von all diesen Spielen keine Wunderdinge: Keine neuen Spieltechniken, keine neuen Stories, keine neuen Wertungs-Rekorde. Was ich erwarte, ist einfach gute Videospiel-Unterhaltung! Und die werde ich aller Voraussicht nach bekommen: Mit Charakteren, die ich kenne, in Welten, die ich schon vor Jahren bereist habe… Die genannten Titel werde ich wohl sogar im Koop-Modus mit einem Freund spielen – diese (Spiel)Erfahrung kann kein noch so genialer Film bieten!
Vielleicht ist es eine (zu) hohe Anforderung an die Games, die Felix aktuell hat. Denn seien wir mal ehrlich: Die Vielfalt, die wir dank Indie-Entwicklern, Branchen-Riesen, der Modding-Szene und neuen Konsolen / Endgeräter wie Mobiltelefonen haben, ist aktuell größer denn je. Klar Felix, das erfordert gleichzeitig einiges an Aufwand für die Recherche, welche Titel die richtigen für Dich sind.
Aber ich kann doch nicht auf Musik verzichten, weil die Masse der Songs im Radio Mist sind! Ich möchte gerade jetzt “Die Zeit” lesen, weil alle Welt nur noch die “Bild” liest. Soll ich deshalb ganz auf Zeitungen verzichten – weil es so viel schlechten Journalismus am Markt gibt?
Ich würde The Last Guardian gern schon jetzt vorbestellen. Und The Last of Us. Und Portal 3. Und und und… Einfach weil ich die Möglichkeit habe, mit dem Geldbeutel abzustimmen – und zwar für die aus meiner Sicht guten Produkte der Branche. Ein Gesamt-Boykott bringt die Games-Industrie meiner Meinung nach nicht voran. Deshalb habe ich z.B. auch für das nächste Adventure von Tim Schäfer bei Kickstarter gespendet.
Und deshalb bin ich pixelbrunch-Freund: Weil es in der Masse an durchschnittlichen Videogame-Journalismus mit Euch einen der wenigen hellen Sterne am Pixelhimmel gibt! Danke dafür!
Carsten
Hi Carsten!
Danke für deinen superlangen Roman – ich versuche die Antwort darauf kurz zu fassen.
Ich stimme dir eigentlich fast ausnahmslos zu. Nur eine Sache muss ich verteidigen: Ich finde es absolut legitim, die Zeit, die ich mit einem Mediem verbringe, der Zeit, die ich mit einem anderen Medium bringe, gegenüberzustellen. Warum auch nicht? Egal was ich mache: Filme schauen, Spiele spielen, Sport treiben, Legomodelle bauen, usw. – in das alles muss ich Zeit investieren. Und ich kann ja für mich persönlich festlegen, ab welchem Punkt diese Zeit verschwendet ist – unabhängig von der Diskussion, was Videospiele jetzt richtig oder falsch machen. Mein Tagesplan gesteht mir nicht viel Freizeit zu. Und solange ich das Gefühl habe, diese mit bestimmten Dingen besser verbracht zu haben als mit Videospielen, finde ich meine Schlussfolgerung bzw. diese rechnerische Gegenüberstellung eigentlich völlig in Ordnung.
Das ist mir auch schon bei Epospechts Kommentar aufgefallen: Meiner Meinung nach nehmen zu viele Menschen Videospiele zu sehr mit “Ein Spiel ist aber kein Film” in Schutz. Man kann “die beiden Medien nicht miteinander vergleichen”? Und ob ich das kann. Wenn schon jemand von mir verlangt, Freizeit zu opfern, dann doch bitte in einer Art und Weise, die mir wenigstens gefällt. Und in diesem Fall spielt es absolut keine Rolle, ob es Filme oder Spiele oder Sport oder Bücher oder was auch immer sind. Der gemeinsame Nenner ist und bleibt die Definition “Freizeitaktivität” selbst.
P.S. Wie erwähnt spiele ich ja übrigens auch noch weiter!
Aber eben vorwiegend bei Spielen, die schneller an den Punkt kommen, den Joonas auch im Podcast erwähnt hat: Der Punkt, an dem sie endlich wieder anfangen, Spiel zu sein. Und das sind – gerade auf den großen Heimkonsolen – leider immer weniger Spiele. Sprich: Ich bin noch Spieler und solange man Unterhaltung wie Donkey Kong Country Returns oder Picross entwirft, werde ich es auch immer sein. Aber wenn sich meine Spielzeit derart einschränkt, kann ich irgendwann nicht mehr den selbstgesteckten Kompetenzanspruch an mich erfüllen, der absolut notwendig für die Art von Berichterstattung wäre, die ich anstrebe. Mit der Änderung meines Spielverhaltens – gerade wenn ich die öde AAA-Palette völlig außen vor lasse – kann ich irgendwann nicht mehr auf dem Level über Spiele diskutieren, das ich halten möchte, sondern nur noch heiße Luft in reißerische Überschriften verpacken, wie es alle anderen deutschsprachigen Berichterstatter tun. Es ist eine logische Konsequenz, dass mein aktuelles Spielverhalten einen Rückzug fordert. Und so sehr mir das Herz bei solchen tollen Zusprüchen wie deinem auch blutet – jede andere Entscheidung würde keinen Sinn machen.
Ist doch etwas länger geworden…
Gruß,
Felix
Hallo zusammen,
schade, dass du Felix nicht mehr dabei bist. Auch wenn man in den Podcasts gemerkt hat, dass du der Videospielbranche sehr kritisch gegenüberstandest, hat mich deine Meinung immer sehr interessiert. Ich selbst verbringe mit meinen 30 Jahren nun mehr Zeit damit, den ein oder anderen Gaming Podcasts zu hören und bei Game One vorbeizuschauen, als selbst noch Hand an den Controller anzulegen. Gerade Euer und dein Philosophieren fand ich erfrischend und ich fühlte mich mit Euren unterschiedlichen Meinung oft verstanden.
Sven und Jonas werdens auch gut machen. Wäre schön mal wieder was von dir zu hören.
Gruß
Ben
Vielen Dank, Benjamin, für dein Lob und deinen Kommentar! Es erfüllt einen verbitterten Gamer wie mich schon mit Hoffnung, dass Leuten wie dir unser Konzept so gut gefällt – ohne uns dabei jetzt selbst beweihräuchern zu wollen. Von mir bekommst du immerhin noch etwas zu lesen – Texte schreiben werde ich nämlich auch weiterhin!
Und da ich auch recht viel Freizeit mit dem Sven und dem Joonas verbringe, kann ich dir versichern: Der Podcast ist bei ihnen in guten Händen. Ich keine kein anderes Duo, das so viel Interessantes über die Szene zu berichten hat. Ich bin schon sehr gespannt auf deine künftigen Meinungen und hoffe, dass du den beiden weitere Kommentare nicht vorenthältst!
Gruß,
Felix