Mai 232012
 

Metroid: Other M

Sven und Felix nehmen Nintendos verunglücktes Action-Experiment Metroid: Other M Stück für Stück auseinander und erklären, was schief gelaufen ist. Dass es Metroid-Schlüsselfigur Yoshio Sakamoto und Entwicklerstudio Team Ninja für eine gute Idee halten, einen Videospielmythos zur japanischen Seifenoper umzuformulieren, zeichnet ein enttäuschendes Bild von den Intentionen so mancher Spieleschöpfer. Viel Spaß damit!

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Featuring: Kuniaki Haishima mit Cryosphere Depths Theme aus dem Soundtrack zu Metroid: Other M

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  10 Antworten zu “PixelBrunch 003 – Die stärkste Frau des Universums”

  1. Hey ihr beiden,

    eigentlich wollte ich diesen Podcast alleine wegen des Titels hassen, aber ihr bringt wirklich gute Punkte. Hut ab dafür.

    Trotzdem habe ich inhaltliche Kritik am Titel: Samus Aran die stärkste Frau des Universums? Sie steckt in einer Powerrüstung und bis Fusion/Other M erfahren wir doch so gut wie gar nichts über ihre Innenwelt. Alleine von der Tatsache, dass sie sich in einem Exosuit durch eine Alienwelt ballert/kämpft, lässt sich doch nicht auf ihre charakterliche Stärke schließen; das gleiche ließe sich doch auch von ihren männlichen Pendants, grunzenden Space-Marines usw. behaupten (ich rede hier nur von den Spielen, der Manga gibt zwar Backstory, die ist aber nicht relevant für die Spiele). Ich fand Samus als Person nie wirklich interessant oder stark, und ich wollte auch nie irgendwas über sie wissen – wie kommt ihr also auf die Idee, sie als starke Frau zu bezeichnen?

    Gerade im Vergleich zur von euch genannten Ellen Ripley (Sigourney Weaver), deren stärkste Tat vielleicht die Rettung von Newt in Aliens ist; sie will ihren “Tochterersatz” retten. Samus Aran hingegen bekommt einen Auftrag von irgendwo oben, fliegt zum Missionsziel und tritt Arsch. Finde ich, auf der Ebene der Motivation, recht flach und auch nicht besonders stark.

    Aber genug zum Titel, das wird schon wieder viel zu lang. Ich habe Other M nicht gespielt, mir aber die Cutscenes angesehen (zumindest einen Teil); es ist wirklich grauenhaft inszeniert, angefangen bei der atmosphärelosen Beleuchtung, bis hin zu den dümmlichen Dialogen. Ich würde das Ganze jedoch nicht auf den “George Lucas”-Effekt reduzieren sowie auf Nintendos Vorhaben, die Serie mehr in den Mainstream zu rücken; ich kann mir vorstellen, dass eine Spielereihe wie Metroid Prime den heutigen Spielern einfach zu viel Geduld und Aufmerksamkeit abverlangt, da der Spieler die Story ja quasi nur aus gescannten Textfragmenten zusammensetzt. Das ist traurig, aber Zeiten ändern sich.

    Ansonsten gebe ich euch in vielen Punkten mehr recht, als ich eigentlich zugeben möchte. Other M war der Punkt für mich, an dem Metroid komplett entmystifiziert war. Es war nicht mehr die Serie, in der man fremde Welten erkunden konnte, ohne sie von irgendwem erklärt bekommen zu kriegen. Unter dem, was ich von Other M gesehen habe, ist nichts da, bei dem ich staunen konnte, nichts das mich irgendwie zum Nachdenken brachte, zum Spekulieren, zum Philosophieren, etwas, was eigentlich alle Spiele bis MP3 geschafft haben (auch darüber lässt sich streiten, ist aber meine Meinung).

    Ist euch eigentlich Capsized bekannt? Der 2D-Shooter ist zwar spielerisch sehr viel unruhiger bzw. actionreicher, bietet dem Spieler allerdings auch an, sich völlig ohne Text-und Sprachausgabe eine fremde Welt zu erforschen – rein audiovisuell: http://www.capsizedgame.com/

    Schöne Grüße und weiter so!

  2. Hi Christoph!

    Vielen Dank für deinen kleinen Roman! Deine Kritik an so etwas wie dem Titel eines Podcasts kann ich ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehen. In die Betitelung einer Episode investiere ich, wenns hoch kommt, ein paar Sekunden – in dem Wissen, keine lyrischen Meisterleistungen zu erschaffen oder erschaffen zu wollen. Ich finde deine Argumentation ehrlich gesagt auch zu plastisch – ich will doch nicht Samus’ Bizepts mit dem von Ellen Ripley vergleichen… “Stark” veranschaulicht für mich mehr den Status des Franchises und seiner Hauptfigur.

    Mit deiner Einschätzung zur Metroid-Reihe gebe ich dir Recht: Das ist wahrscheinlich Nintendos schwerfälligstes Franchise, in das man sich als Spieler so richtig rein beißen muss. Und dafür haben wohl die wenigsten noch die nötige Geduld. Trotzdem finde ich den George Lucas-Effekt vor allem auf die Köpfe hinter Metroid: Other M bezogen ziemlich passend: ich glaube, wie so viele Spieleentwickler wussten Team Ninja und Sakamoto nicht so richtig, aus welchen Gründen Super Metroid oder Metroid Prime wirklich diesen gerechtfertigten immensen Impact auf das Publikum hatten. Das waren unter anderem zwei Paradebeispiele dafür, wie Geschichtenerzählung in Videospielen perfektioniert wird. Ich habe das Gefühl, dass man bei Other M den Wert von Stille, Suspense und narrativem Feingefühl nicht zu schätzen weiß und überhaupt keinen blassen Schimmer hat, wie oder warum man Charaktere zeichnet und welche Wirkungen sie auf den Spieler haben.
    Ähnlich gilt für Lucas, der – so glaube ich – nie so wirklich begriffen hat, warum sein Star Wars Episode IV von 1977 so gut angekommen ist. Klar: Die Special Effects haben den Film groß gemacht, aber der Inhalt sorgte dafür, dass er auch als filmisches Produkt geschätzt wurde und wird.
    Ein kleines Lieblingsbeispiel sind für mich die kurzen Sprachsamples in den Prime-Spielen. Samus’ Todesschrei, der lediglich wenige Sekundenbruchteile dauert, transportiert einen existenziellen Schrecken, wie ihn jeder Mensch angesichts des Todes empfinden würde oder wie ihn die Figuren aus Alien während ihres Überlebenskampfes empfinden. DAS ist für mich Menschlichkeit.

    Danke für den Tipp! Capsized werde ich mir in den nächsten Tagen mal anschauen! :)

    Gruß,
    Felix

    • @ Felix: Ja, ich habe mich etwas am Titel aufgerieben; doch du solltest trotzdem vielleicht mehr als ein paar Sekunden an den Titel verschwenden. Ein simples Fragezeichen am Ende wäre genug gewesen, um die Behauptung zu entschärfen (auch wenn der Trick billig ist).

      Du musst mir übrigens nicht mehr erklären, was du mit dem Vergleich mit George Lucas meinst. Das zählt meiner Meinung nach zum Nerd-Allgemeinwissen. Mein Kritikpunkt war, dass ihr es euch etwas zu einfach macht, wenn ihr das Versagen von Other M auf dieses Schlagwort reduziert. Im Ernst, kennt ihr den Herrn Sakamoto persönlich? Könnt ihr zu 100% sagen, dass der Herr nicht mehr weiß, was die Serie beliebt gemacht hat? Ihr seht ein mit vielen nostalgischen Erinnerungen behaftetes “Franchise” (wie ich dieses Wort hasse…^^), dass angeblich von einer einzigen Person ruiniert wurde, und schon zieht ihr auf Grund dieser oberflächlichen Gemeinsamkeit einen Vergleich zu Lucas? Warum nicht zum Beispiel zu Bay, wenn ihr schon dabei seid.

      Damit will ich nicht behaupten, dass der gute Herr Sakamoto keine Schuld zu tragen hätte, aber wie gesagt – er war es nicht alleine. Mir persönlich geht das zu sehr in Richtung Filmkritik, die auch zu gerne den Regisseuren alleine die Schuld an schlechten Werken in die Schuhe schiebt, ohne die Natur des Films/des Spiels als kollaborative Kunstform zu berücksichtigen. Ein Director kann sicherlich ein Idiot sein – allerdings tritt das erst zu Tage, wenn auch andere Menschen im Team ein Idiot sind.

      Ich stimme dir hingegen bei Samus’ Todesschrei zu, als subtiles Element der Charakterisierung ist das ziemlich stark gewesen. Ich persönlich fand auch immer ihr Gesicht, das sich im beschlagenen Visor spiegelte, eine sehr schöne Note, die einem die Menschlichkeit der Figur in Erinnerung rief, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

      Nochmals Grüße.

      • Hi Christoph!

        Wegen der Titel-Geschichte: Wenn du der einzige von 50 Hörern bist, den es stört, dass ich kein Fragezeichen gesetzt habe, werde ich auch in Zukunft nicht viel mehr Zeit in die Betitelung einer Episode investieren, da ich den Titel für angemessen halte. Schlimmer finde ich da ehrlich gesagt eher den letzten. Sollten sich die Beschwerden häufen, werde ich natürlich reagieren.

        Zum George Lucas-Effekt: Ich dachte eigentlich, dass wir über die knapp dreißig Minuten klar gezeigt haben, dass wir das Versagen von Other M nicht nur auf ein einziges Schlagwort reduzieren. Der Sven und ich teilen die Meinung, dass ein Großteil der Entwickler eigentlich nicht weiß, warum bestimmte Dinge überhaupt in bestimmte Spiele integriert werden oder warum bestimmte Design-Kniffe überhaupt gut sind. Das trifft dann eben auch auf Yoshio Sakamoto zu – und zwar nicht nur in Bezug auf Metroid. Ein Franchise gewissermaßen umzustülpen ist nicht das eigentliche Problem. Das eigentlich Problem ist, dass Sakamoto als Geschichtenerzähler und Team Ninja als Spieldesigner keinen Plan haben, wie dieser Umbruch gescheit zu realisieren wäre. Es wird hier ein bisschen geschraubt und dort ein wenig gebohrt, aber die wichtigste Zutat fehlt: Eine zielgerichtete Intention, der etwa eine Basis aus funktionierender Action, Suspense, Dynamik oder einem Mix aus allem basiert. Das sind Dinge, die nicht nur von den Vorgängern, sondern bereits von dutzenden anderen Spielen gut gemacht worden sind, von denen man hätte lernen können. Stattdessen macht man Metroid: Other M zu was? Einer japanischen Seifenoper? Dem feuchten Science Fiction-Traum eines Zwölfjährigen? Einem Action-Spiel mit schlechter Action?

        • Ein letztes Mal rolle ich das noch mal auf…
          Unter den fünfzig Hörern sind aber bis jetzt auch nur zwei, die hier kommentieren ;) Meinetwegen, ich wollte dich damit nur auf ein mögliches Problem aufmerksam machen. Als Titel eine Behauptung aufzustellen, die ich nicht eindeutig belegen kann, würde ich mich einfach nicht trauen. Und gerade bei Metroid finde ich nicht, dass die “Stärke des Franchises” viel mit Samus Aran (weil sie einfach keine starke Figur ist) zu tun hat, sondern eher mit der atmosphärischen Gestaltung, wie ich schon geschrieben habe. Aber dann lasse ich dieses Thema jetzt ruhen: ich respektiere deine Meinung in diesem Fall.

          Aber der Sakamoto ist ein Spieleentwickler, und der Herr Lucas ein alternder Filmemacher. Ja, beide waren in ihrer Vergangenheit an der Erschaffung großer Werke beteiligt, doch trotzdem kommen sie aus völlig unterschiedlichen Welten: George Lucas ist der oberste Herr über seinen Kosmos. Er kann alles diktieren, niemand wagt es, ihm zu widersprechen. Sakamoto hat einen Vorgestzten: Nintendo. Er besitzt keine Narrenfreiheit wie unser Geschäftsmann aus Kalifornien, er muss sich Vorgaben wie z.B. der von Michael unten genannten Entscheidung beugen, Metroid mit Cutscenes und Dialogen aus der untersten Klischeehölle zu füllen. Zwischen diesen Menschen besteht ein himmelweiter Unterschied in ihrer Position als “Director/Writer”.

          Und ich wage dir zu widersprechen: Metroid: Other M HAT eine zielgerichtete Intention, eine zentrale Aussage. Sie ist nur hundsmiserabel umgesetzt. Überleg mal: das “bottleship” sendet “a baby’s cry” aus, dem Samus dann folgt, nachdem ihr ein Metroid-Baby am Ende von SM das Leben gerettet hat. Sie wird das erste Mal mit Muttergefühlen konfrontiert – dazu einmal das “M” aus dem Titel umstellen und wir haben… “Metroid: M Other”! Was ungefähr so subtil wie Hammer ins Gesicht ist. Ja, tatsächlich: Other M hat eine Vision gehabt. Es ist nur so, dass diese Vision völlig unbeholfen umgesetzt wurde.

          Ich glaube, dass die Macher von Other M die Serie in eine neue Richtung bewegen wollten (was als Intention schon völlig ausreicht), und an ihren Ansprüchen auf Grund mangelnden Talents im Bereich Storytelling völlig gescheitert sind. Außerdem haben sie den Fehler aller Fehler begangen, indem sie ihrer Hauptfigur zu viel Tragkraft zugesprochen haben; Samus ist einfach keine interessante Figur, und sie war nie als das Zentrum der Aufmerksamkeit gedacht, sondern lediglich als Projektionsfläche, als Avatar des Spielers. Außerdem haben über die vergangenen zwei jahrzehnte die Fans mehr oder weniger ihren eigenen Charakter aus Samus gemacht, weil sie eben die Lücken ausfüllen mussten, die die Charakterisierung im Spiel nicht ausfüllte. Und nun sind sie alle geschockt, weil sie plötzlich – ach nein! – ein menschliches Lebewesen mit Gefühlen, Wünschen und Ängsten ist? Wie können es die Entwickler nur wagen!

          Wie gesagt, gute Idee, grauenhafte Umsetzung. Gefühlswelten lassen sich subtiler reflektieren als mit inneren Monologen. Keiner streitet ab, dass Other M ein richtig fieser Stinker ist – aber, ob du es glaubst oder nicht, alle Anzeichen deuten daraufhin, dass auch in diesem Spiel alles von irgendwem irgendwie geplant war, also eine künstlerische Vision/Intention bestand.

          Aber genug dazu jetzt. Das ist meine inhaltliche Kritik am Podcast; ich will auch nicht auf einen Nenner mit dir kommen bzw. möchte dich auf mein Niveau herabzwingen. Ich kann ja auch bei vielen guten Punkten sehen, woher du kommst; aber, wie gesagt, bei dem Vergleich von Lucas und Sakamoto gehst du offenbar von der falschen Annahme aus, dass beide in der Herstellung ihrer Produkte an jeweils vergleichbaren Positionen sitzen (eben WEIL du die beiden in eine Schublade steckst). Dass dieser Vergleich hinkt, sagen übrigens bereits 100% der Kommentatoren von diesem Podcast, da solltest du dir vielleicht mal Gedanken machen :D

          (Nicht so ernst nehmen.)

  3. (wie auch schon beim letzten Podcast zuvor werde ich auch dieses Mal meinen Kommentar verfassen, während ich mir den Podcast anhöre)

    Erstmal finde ich den George Lucas-Vergleich ziemlich schwachsinnig. Sakamoto ist sich bestimmt bewußt, warum Super Metroid ein so brilliantes Spiel ist. Die Entscheidung, Other M einen erzählerischen Plot zu geben, wurde zum Teil in der Hoffnung gefällt, das Franchise auch in Japan wieder beliebter zu machen (wo Metroid bei weitem nicht so populär ist wie bei uns oder in den USA). Ironischerweise ging die Idee nach hinten los, da die japanischen Fans das Spiel ähnlich aufnahmen wie auch die Fans andernorts.

    3:15 – Wenn ich da schon eure Auflistung an Vergleichen höre muss ich mich wieder ernsthaft fragen, wieso Ihr überhaupt dann einen solchen Podcast macht. XD
    “Quietschbunte Lollipop-Welt” finde ich für Nintendo auch etwas überzogen, auch wenn Metroid freilich düsterer ist als die meisten Nintendo-eigenen Franchises.

    08:58 – Die Idee, Team Ninja ins Boot zu holen, rührte daher, dass Sakamoto das actionbetonte Gameplay der Ninja Gaiden-Spiele (welches Sven ja auch erwähnt) in ein Metroid packen wollte. Freilich ist es unverständlich, dass Team Ninja trotzdem noch an der Story mit rumwerkeln durfte, anstatt diese Nintendo selbst zu überlassen.

    12:00 – Ich habe hier das Gefühl, dass Ihr euch hier bei der Erklärung des Grundkonzepts von Metroid (und inwieweit Other M davon abweicht) anfangs ein wenig verzettelt. Metroid-Spiele sind jetzt nicht weniger linear als andere Action Adventures, allerdings fordert die verwinkelte Welt dazu auf (genaugenommen verlangt sie es), ohne die Hilfe eines NPCs sich auf die Suche nach dem nächsten wichtigen PowerUp zu machen.
    Das Setting, welches Other M präsentiert, funktioniert in meinen Augen ebenso wie auch die Station in Fusion.
    Freilich wirft Other M den Erkundungsaspekt der Reihe trotzdem über Bord.

    14:20 – Der mangelnden Vielfalt in den Kämpfen stimme ich auch zu, aber ich komme nicht umhin zu sagen das mir die Kämpfe in Other M trotzdem mehr Spaß gemacht haben als in den meisten anderen Metroid-Spielen. Ich würde es wirklich begrüßen, wenn dieses eine Element in kommenden Spielen gebührend ausgebaut wird.

    19:30 – Genau hier bin ich vollkommen anderer Meinung. Die Idee, dass Samus ein Charakter mit einer eigenen Persönlichkeit ist (anstatt eine interpretierbare Figur wie Link zu sein), hat mir persönlich wirklich gefallen, auch wenn ich mit der finalen Darstellung von Samus in Other M auch nicht zufrieden bin, einfach weil Team Ninja zu diesem Zweck einfach dauernd auf den Drama-Button gehämmert hat.

    22:05 – Felix, in meinen Augen kackst Du echt Korinthen so wie Du dich über Samus’ Aussehen aufregst. Tut mir Leid dass ich das jetzt so ausdrücke, aber es geht mir tierisch auf den Sack weil das einzige Spiel, wo Samus’ Bewegungen (und vor allem ihre Mimik) auch außerhalb des Power Suit wirklich natürlich aussehen Super Smash Bros. Brawl war. Die Prime-Spiele etwa schwankten hier zwischen pseudorealistisch und uncanny Valley, und in den 2D-Spielen waren die “Samus Ohne”-Enden ab dem zweiten Teil eigentlich auch nur Fanservice.

    Zu Samus’ Charakter: Okay, Samus rekapituliert in vielen ihrer inneren Monologe so eben geschehenes ,gleichgültig wie offensichtlich es ist, das mag nerven. Aber der eigentliche Klang ihrer Gedankenstimme ist durchaus plausibel, wenn man bedenkt, dass sie zuvor zwei lange und wirklich aufreibende Missionen (Metroid II und Super Metroid, die ja direkt hintereinander spielen) hinter sich gebracht hat – und letzteres war im Grunde eine Rettungsmission, bei der das Lebewesen, was sie retten musste (bzw. wollte) nicht nur das letzte seiner Art war, sondern auch noch sein eigenes Leben für Samus aufgibt, weil es sie als Mutter wahrgenommen hatte. Es mag zwar etwas zu dick aufgetragen sein (wie gesagt, Drama-Button), aber das Samus sowas wie PTSD erleidet macht in diesem Zusammenhang schon Sinn.
    Aber ja, wie gesagt: Drama-Button.

    23:42 – Danke Felix, danke dass Du Midichlorianer genauso furcthbar findest wie ich.

    Was mir um 25:00 wieder aufgefallen ist, dass Ihr generell über das Spiel so redet, als wäre jetzt das komplette Metroid-Franchise unwiederbringlich für IMMER ruiniert worden (Zumindest klingt das so). Ich denke Mal, ein Grund warum ich mich an den ein, zwei guten Ideen des Spiels erfreuen kann (und den ganzen Haufen an schlechten Dingen in dem Spiel so geflissentlich ignoriere) ist auch der, dass ich Other M quasi als eine Art Spin Off betrachte. Es gibt jetzt halt mal ein Spiel, dass aus der Reihe tanzt, arg viel rumexperimentiert und anschließend schlägt das Franchise wieder eine andere Richtung ein, mit der auch wieder die Fanbasis glücklich wird.

    26:30 – Ich finde es interessant, dass Du die Referenzen an den Vorgängern lobst, denn hier hat das Spiel in meinen Augen einen ganz groben Schnitzer mit Ridley begangen, der überraschend auftaucht (und bei Samus nochmal kräftigst auf den Drama-Button hämmert) und eigentlich nur als Boss herhält. Dabei geht das Spiel, dass den Anspruch erhebt, Samus’ Hintergrundgeschichte zu erzählen, überhaupt nicht näher auf die Rolle, die Ridley in Samus’ Leben spielt, ein – obwohl das auch für die Seifenoper Other M eine ideale Vorlage für wirklich viel Storygelaber mit Flashbacks gewesen wäre.

    28:15 – Die berühmt-berüchtigte “Power Rangers-Szene” ist übrigens eines dieser furzigen Details, wo ich gar nicht verstehen kann, warum sie euch so aufregt. Dafür ist mir das zu banal.

    29:20 – Das Opening von Other M, welches ja das Ende von Super Metroid wiedererzählt, fand ich, so nebenbei, echt brilliant. Es war in meinen Augen eine wirklich gute Adaption dieser Szene, und der Vergleich wegen der Emotionalität hinkt meiner Ansicht nach aus zwei Gründen:
    1) Das mit den Emotionen ist eine seeehr subjektive Angelegenheit (okay, der Grund ist billig)
    2) In Super Metroid ist diese Szene das Finale des Spiels. Der dramatische Höhepunkt, der das Spiel krönt. Die emotionale Wucht dieser Szene entseht einfach dadurch, dass man davor ganz Zebes auf der Suche nach dem Baby Metroid durchkämmt hat.
    In Other M ist das dagegen der Prolog, der die Brücke zwischen den beiden Spielen schlägt. Durch das Fehlen der vorangegangen Erfahrung erreicht die Szene gar nicht dieselbe Wirkung (es sei denn, man hat Super Metroid gespielt – und in meinem Fall wurde ich daran wieder erinnert), das braucht sie auch nicht tun, da es hier ja um die Fortsetzung dieser Geschichte geht.

    30:15 – Burrrgh die Idee find ich ziemlich unspektakulär. Bereits das zweite Metroid Prime wurde dafür geschasst, sich zu sehr wie der erste Teil zu spielen, und nun das ganze nochmal aber halt in besserer Grafik?

    32:40 – Eine Neuorientierung gen Horror bei Metroid würde mich wahrscheinlich von dem Franchise vergraulen. Kommt darauf an, wie’s gemacht ist.

    34:00 – Nein Sven, den Gefallen tu ich Euch nicht. ;P
    Ich gebe zu, dass ich meinen Spaß hatte, Other M zu spielen, und wie auch weiter oben gesagt, ich würde einige Elemente der Steuerung auch gerne in zukünftigen Metroids wiederfinden, wobei “Steuerung” vielleicht nicht die beste Umschreibung ist, es ist eher sowas wie der Spielfluss, oder das Gameplay, oder… ach ich weiß nicht. Es ist einfach so, dass sich Kämpfe in den meisten Spielen der Reihe ziemlich beschissen spielen, einfach weil sich Samus etwas schwerfällig steuern läßt, was in den teils hektischen Bosskämpfen sehr frustriert (die Prime-Trilogie ist hier die Ausnahme – mit Ausnahme des Ing-Imperators, der ist die Pest).
    Ich habe jetzt auch kein Problem damit, dass Other M auch einen komplett anderen Ansatz als der Rest des Franchises verfolgt hat, wie etwa einen erzählten Plot. Aber ich habe ein Problem damit, dass dieser Plot von Team Ninja erzählt wird.

    Und damit wäre ich jetzt auch mit meinem Kommentar fertig. Bin schon mal gespannt, wie Ihr darauf antwortet.

    • Vielen Dank, Michael, für deinen Riesenkommentar!

      Ich muss zugeben, dass ich fast ausnahmslos allen deiner Denkansätze nicht folgen kann. Ich hab das Gefühl, wir bewerten und bewerteten Metroid: Other M schon immer aus völlig gegensätzlichen Perspektiven – und ich kann zumindest für mich sagen: Nicht nur Other M sondern Spiele im allgemeinen werde ich nicht aus deinem Blickwinkel sehen können. Deswegen werde ich dir jetzt auch den Ball nicht auf deinen gesamten Kommentar zurückspielen, sondern nur auf einen kleinen Punkt, den du bemängelt hast:

      Unsere Generation ist mit der Tatsache aufgewachsen, dass die Hauptfigur vom NES-Metroid zum Ende als Frau entlarvt wurde, haben diesen Knalleffekt also niemals selbst erlebt, wie so manch älteres Semester. Aber selbst ohne diesen Storytwist sage ich zu deinem Vorwurf des Korinthenkackens:

      Ja, ich werde es Metroid: Other M immer zum Vorwurf machen, dass man die Frau, die man derart geschickt in die Welt der Videospiele einführte, die sich im Finale von Super Metroid meine eigene Persönlichkeit zu eigen machte, die zum Ende von Metroid Prime wortlos und ohne Bikini oder Zero Suit auf den einstürzenden Krater blickte, mit nicht wenigen Kameraschwenks auf ihr Hinterteil und einem bilderbuchhaften Barbie-Körper auf die Hirngespinste eines notgeilen Nerds degradiert.

      Weißt du, die vergleichbare Visualisierung einer Hauptfigur hat man zum Beispiel in Bayonetta mit absolut zielgerichtetem Stildenken einem abstrusen Universum, das keine Ansprüche an Ernsthaftigkeit oder Emotionalität hat, untergeordnet. Hier fügt sich das Erscheinungsbild von Bayonetta in den erschaffenen Spielekosmos ein. In Metroid: Other M hingegen ergeben Samus’ Figur und der Metroid-Kosmos kein schlüssiges Gesamtbild mehr. Es ist wie, als wenn du eine Barbie-Puppe ins Cockpit des Millenium Falcon setzt.

      Ja, wenn du findest, dass das Korinthenkackerei ist, dann bei Gott, kacke ich Korinthen. ;)

      • Erstmal find ich’s gut, dass Du zugibst, dass Du Korinthen kackst, Felix. ;P

        Aber Scherz beiseite. Ich find’s gleichermaßen interessant als auch Schade, dass wir beide Spiele aus dermaßen verschiedenen Blickwinkeln betrachten, dass es wohl noch einiges dauern wird, bis wir da einander wirklich verstehen. Aber der Weg ist ja bekanntlich das Ziel.

        Davon mal abgesehen möchte ich an dieser Stelle aber auch noch anmerken, dass ich (auch wenn mein erster Kommentar diesen Eindruck nicht erweckt haben mag) viel Spaß dabei hatte, euren Podcast zu dem Spiel zu hören. Ich habe bei dem Titel erst weitaus schlimmeres befürchtet, aber Ihr seid fair und ehrlich an das Thema rangegangen.

        In diesem Sinne freue ich mich schon auf eure nächsten Podcasts!

  4. nach drei episoden möchte ich jetzt auch mal meinen Senf abgeben.
    Gefällt mir sehr gut was ihr da macht. Ich höre zwar nicht viele Podcasts, aber eurer gehört aufjedenfall zu den besseren. Ich würde mir vielleicht höhstens noch ein, zwei Minuten mehr wünschen. Das Ende kommt irgendwie immer ein bisschen schnell.
    Aber Ansonsten gefällt mir die Themenauswahl sehr gut. Weiter so bitte.

  5. Ich hab übrigens grad überraschend was interessantes gefunden, was so halbwegs hier reinpasst:

    http://www.youtube.com/watch?v=xG4ei3it8B0&feature=player_embedded

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